Das “andere” deutsche Kino als subversive Praxis

Canan Turan

reading/lecture, Präsentation

Filmstill En Garde von Ayşe Polat

Filmpräsentationen & Vortrag

von Canan Turan
12.11.2015 // 19:00

Filmpräsentationen & Vortrag

Zwischen den 1970’er und frühen 1990’er Jahren wurden eine Reihe von Filmen produziert, die der Filmkritiker Georg Seeßlen als Kino der Fremdheit bezeichnete: Überwiegend mehrheitsdeutsche Regisseur_innen, u.a. Rainer Werner Fassbinder, Helma Sanders-Brahms und Alexander Kluge, zeichneten mit mitleidvollem Gestus ein Bild von unüberbrückbaren Differenzen zwischen einer vermeintlich homogenen “türkischen” und einer “deutschen” Identität. Filmemacher_innen wie Yüksel Yavuz, Yasemin Şamdereli, Thomas Arslan, Buket Alakuş, Fatih Akin u.v.m. kreierten ab Mitte der ‘90er selbstbewusst ein ‘anderes’ deutsches Kino: Ihre Filme nehmen keine dezidierte interkulturelle Vermittlungsposition ein. Wenn überhaupt findet in den transkulturellen Protagonist_innen selbst eine Auseinandersetzung mit Kultur und Gesellschaft statt. Aber kann wirklich von einer Transformation des Kinos mit, von und über Migrant_innen gesprochen werden, oder lebt der Geist des Kinos der Fremdheit auch heute weiter?

Im Anschluss an den Vortrag zeigen wir 93/13 — 20 Jahre nach Solingen (D 2013, 33 Min.) von Mirza Odabaşı und En Garde von Ayşe Polat (D 2004, 94 Min.).

Produktionsdaten:

93/13 – 20 Jahre nach Solingen — Deutschland 2013, Farbe, 33 Minuten. Buch und Regie: Mirza Odabaşı. Produktion: Mirza Odabaşı.

En Garde — Deutschland 2004, Farbe, 94 Minuten. Buch und Regie: Ayşe Polat. Produktion: X-Filme Creative Pool, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) und intervista digital media.

Canan Turan (*1984), in Keşan in der Türkei geboren und in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, ist Filmwissenschaftlerin, Regisseurin und Übersetzerin. Nach ihrem Bachelorstudium in Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Pompeu Fabra Universität Barcelona ging Canan Turan 2011 nach London, wo sie am Goldsmiths College in London einen Master in Dokumentarfilm machte. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen insbesondere die krititische Analyse von kulturalistischen/rassistischen Repräsentationen im europäischen und amerikanischen Film sowie das Kino der `Anderen´  Deutschland. Turans Abschlussfilm Kıymet(2012 D/UK, 25 Min.) wurde auf internationalen Festivals, einschliesslich dem Documentarist Istanbul und Duhok IFF, vorgeführt und war ein Jahr lang im Programm des Kino Moviemento Berlin als Teil des Filmdoppels „Canim Kreuzberg“ zu sehen. Seit 2013 arbeitet Canan Turan an ihrem ersten langen Dokumentarfilm Kaya – Der Felsen und das Meer, gefördert durch ein Gerd Ruge Stipendium der Film und Medien Stiftung NRW und produziert von Zülfiye Akkulak (Newa Film). Canan Turan lebt und arbeitet als Freiberuflerin in Berlin und Barcelona.

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Vortrag Canan Turan, alpha nova & galerie futura, 2015

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