VOM URSPRUNG

Christine Contzen, Matthias Contzen, Silvia Sinha

exhibition

Flyer Ausstellung, alpha nova & galerie futura, 2011.

Ausstellung

20.3.-6.5.2011 // Di-Fr 15:00-18:00

Eröffnung

mit Musik von Gitarrenduo Fritz Bayer und Jacob Müller
19.3.2011 // 17:00

 

Images

Bilder Eröffnung & Ausstellung

 

Fotos: Uta Koch-Götze

 

Malerei – Zeichnung – Skulptur – Fotografie

Wir eröffnen heute die Ausstellung VOM URSPRUNG mit Arbeiten des Bildhauers Matthias Contzen, der Malerin Christine Contzen und der Fotografin Silvia Sinha, zu der ich Sie herzlich begrüße.

Der untere Ausstellungsbereich wird ausschließlich von dem künstlerischen Dialog von Skulptur, Malerei und Zeichnung bestimmt, der die Ursprungsidee für diese Ausstellung zugrunde liegt.
Als Kuratorin hat mich dabei besonders gelockt, die verwandte Formensprache des Geschwisterpaares Christine und Matthias Contzen in den Blick zu rücken, ihre Faszination von der organischen Form, den Bewegungs- und Schwingungsgesetzen der Natur und ihre magische Zuwendung zum Runden, der Kreisform des Lebens im Mikro- wie Makrokosmos.
Als Kontrapunkt setzt die Ausstellung die Fotoarbeiten von Silvia Sinha im oberen Bereich, die sich in ihrer Vorliebe für geometrische Bildkompositionen in den Werkserien Flüchtig und Fluent mit dem Thema Wasser, dem Urelement des Lebens, auseinandersetzt und zu einem fruchtbaren Dreiklang der künstlerischen Positionen dieser Ausstellung beiträgt.
Die Wahl der Skulpturen folgt auf überzeugende Weise dem thematischen Konzept VOM URSPRUNG.
Sie schlägt den mühelosen Bogen vom  Embryo im Mutterleib zur kosmischen Welt der Planeten – der intimen Gestalt zum Universum. Der Betrachter*in begegnet in diesen Skulpturen die gestaltgewordene Schönheit in Form, Material und in sich schwingender Bewegung.
Wir staunen über die lichte Aura der drei Planetenkugeln in ihrer je individuellen Prägung andersfarbigen Marmors, ihren Musterdurchbrüchen, größeren und kleineren Einblicken in unterschiedlich verdichteten Partien. Diese Durchbrüche der marmornen Außenhaut in einen Hohlkörper spielen bewusst mit dem Lichteinfall, den veränderlichen Schatten,  ihrem lebendigen Fluktuieren und der magischen Wirkung ihres Schwebens.
Diese Skulpturen folgen den gültigen Gesetzen der Statik, die die gezielte Bewegung mit einschließt wie in den Stelen mit ihrer aufsteigenden Energiebewegung Slow Motion und Twist.
Sie beziehen das Licht mit seinen kompositorischen Elementen meisterlich durch die bewegte Formgebung, die bewussten Zwischenräume und die charakteristische Materialbearbeitung, die lichtreflektierende polierte Flächen mit matten Oberflächen komponiert, mit ein.
Sie zelebrieren das universale Runde und schöpfen aus dem Fundus organischer Baupläne, die sich im steten Wandlungsprozess von Werden und Vergehen bewegen.
In dem sichtbaren Bewusstsein einer zentrierenden Kraft, die sich in den Gesetzen der Natur offenbart, strahlen diese Arbeiten aus Marmor, Basalt und Bronze eine innere Balance aus, die verzaubert und geradezu erotische Seh- und Sehnsüchte evoziert.

Wenden wir uns nun den malerischen und zeichnerischen Arbeiten von Christine Contzen zu. Auch ihre Bild- und Ausdruckswelt spiegelt eine ausgeprägte Affinität zu Naturgesetzen und den organischen Bauformen des Lebens wider. Die Ausstellung hat sich, wie Sie unschwer erkennen können, zusätzlich für eine Zweiteilung der Werkgruppen entschieden, um den unterschiedlichen Raumklang in dem jeweiligen Raumteil zu akzentuieren. Zugeordnet zu den Planetenkugeln im rückwärtigen Bereich, sind die vegetativen Bildmotive als Vertikale zwischen Himmel und Erde angelegt.
Der vordere Teil versammelt dagegen eher Arbeiten, die sich den flüchtigen Elementen wie Luft und Wasser zuwenden und der die Zeichnung betont.
Dem allgegenwärtigen Runden begegnen wir bei der Malerin und Zeichnerin Christine Contzen bezeichnend im dem Auge verborgenen Wurzelbereich als Samen, als Verpuppung, geborgen in unterirdischen Höhlungen im Prozesse der Keimung. – Diese Arbeiten charakterisieren eine kraftvolle Farbwahl.
Es geht um Fruchtbarkeit in ihrer ungestümen Kraft, um wuchernde Formen und Tentakeln gleichen Fangarmen, die sich ins Nirgendwo recken und sich vielleicht zu jenem Blütenstand emporranken, der sich bis zum Himmel ausstreckt.
Die Faszination von der organischen Fülle verbindet sich mit der eruptiven Kraft der Natur in ihrem Doppelgesicht von Schönheit und Schrecken, ihrer Janusköpfigkeit.
Hinter den Bildgestalten dieser Künstlerin –  insbesondere auch den Zeichnungen – lässt sich unschwer die Forscherin erkennen, die sich gleichsam suggestiv von den Urformen des Seins angezogen fühlt auf der drängenden Suche nach Erkenntnis.
Die Arbeiten in ihrer Vielfalt scheinen einer Suchbewegung zu folgen, indem sie akribisch genau Lebensformen und subtile Muster bis in ihre mikroskopischen Verästelungen hinein dokumentiert. Doch geht es ihr nicht um ein Abbild einer biologischen Wunderwelt, sondern um einen imaginierten Kosmos innerer Wahrnehmung, die sich in dem Äußeren der Natur zu spiegeln versteht.
Die Titel, die die Künstlerin ihren Arbeiten zuordnet, wie Aus der Tiefe, Wie sich begegnen,  oder Am Scheideweg weisen auf diese Übertragungsebene hin.
Ein besonders eindrückliches Beispiel für die Synergien, die sich im Dialog zwischen Skulptur und Malerei herausbilden, sind die Verbindung vom Fliegenden Fisch und der dreiteiligen Arbeit Wolke blau lebt.

In der Verbindung dieser poetischen Mischung von Zeichnung und Malerei von Christine Contzen und der verwandten Linienführung der beweglichen Fische-Skulptur von Matthias Contzen ereignet sich gleichsam ein eigenes raum-zeitliches Gesamtkunstwerk schwebend-fließender Harmonie, eine Poetik pur.
Die weiteren Arbeiten in diesem vorderen Ausstellungsbereich greifen das Thema der Leichtigkeit in Variation auf. Die Farben werden pastellig und lichtgesättigt und die Formensprache scheint sich in dieser neuen Werkserie zu verflüssigen. Charakteristisch taucht nun auch innerhalb der Malerei die Zeichnung als eigenständiges Element auf wie in der Arbeit Die beste aller Welten.

Konsequent zum Konzept und Thema dieser Ausstellung VOM URSPRUNG  sehen Sie bei der Auswahl der Fotoarbeiten von Silvia Sinha Exponate aus den Serien Flüchtig und Fluent. Beide Serien widmen sich der Auseinandersetzung mit dem Ursprungselement Wasser, ohne dass in diesen Fotos das Fließelement mit der Schöpfungsidee der Geburt aus dem Wasser  im Focus steht.
Silvia Sinha bevorzugt die eher strenge Komposition, sie lässt sich inspirieren von der Formensprache der Architektur in ihrer Geradlinigkeit. Sie arbeitet mit Schärfe und Unschärfe, mit Licht und Schatten und immer wieder mit Spiegelungen, um das ins Bild zu holen, was sich dem oberflächlichen Blick entzieht und eine eigene Dimension von Wahrnehmung sichtbar macht.
So auch bei der Auswahl der Fotos, die sich von der Spannung  der Komplementärzustände von Wasser und Eis anregen lassen und in den farbigen Spiegelungen ihre Bildfindung sucht.
Es sind Arbeiten von absoluter Präsens entstanden, die für den magischen Moment sprechen, in dem sich die Fotografin für die Bildwerdung entschieden hat.
Dieser kreative Moment der Entscheidung verwirklicht die Ursprungsidee dessen, was die Künstlerin als inneres Bild – gleichsam als Spiegel der äußeren Wirklichkeit – in sich findet. Über diesen Prozess – vom Ursprung her – entwickeln die Fotos ihre atmosphärische Verdichtung, ihre malerische Qualität, werden zum gültigen Bild.

Wir haben in den Arbeiten der drei künstlerischen Positionen immer wieder von der Inspiration der Natur, ihren immanenten Gesetzen, ihrem Potential für Wandlung und schöpferischen Impetus, ihrer überwältigende Anmutung von Schönheit im Mikro- wie Makrokosmos gehört.
Darum soll zum Schluss –  gleichsam als Wegbegleitung für diese Ausstellung    –     eines der klassischen Zitate von Goethe stehen:

Wem die Natur
ihr offenbares Geheimnis
zu enthüllen anfängt,
der empfindet eine unwiderstehliche
Sehnsucht nach ihrer würdigsten
Auslegerin, der Kunst.

Uta Koch-Götze – galerie futura

www.christinecontzen.de
www.matthiascontzen.com
Silvia Sinha: www.in-response.de

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