Prekäre Kunst: Protest & Widerstand – Symposium

Melody LaVerne Bettencourt, Christa Joo Hyun D’Angelo, Dr. Dr. Daniele Daude, Karina Griffith, Julia Lemmle, Sandrine Micossé-Aikins, Rena Onat, Dr. Onur Suzan Nobrega, Iris Rajanayagam, Lerato Shadi, initiiert von Dr. Stacie CC Graham, Dr. Katharina Koch, Dr. Marie-Anne Kohl

symposium/round table

Symposium "Prekäre Kunst", Foto: alpha nova & galerie futura

Symposium

26.9.2015 // 10:00-18:00

27.9.2015 // 13:00-19:30

Mit freundlicher Unterstützung von

In Kooperation mit

Symposium

26.9.2015 und 27.9.2015
Das Symposium ist interdisziplinär angelegt und bringt sowohl Wissenschaftlerinnen als auch Kulturschaffende, Künstlerinnen und Aktivistinnen zusammen. Dabei werden Vorträge, Podiumsdiskussionen und Filmvorstellungen angeboten, die sich mit Themen des strukturellen sowie des Alltagsrassismus im Kunstbetrieb auseinandersetzen. Ziel ist es, Strategien und solidarische Praxen auszuloten, um rassistischen Strukturen entgegenzuwirken.

26.9.2015 // 10:00-18:00
Wann Protest, wann Widerstand?

Protest und Widerstand stehen beide am Anfang sozialer Veränderungen. Dabei findet Protest innerhalb, Widerstand außerhalb der bestehenden hegemonialen Strukturen statt. Wann und unter welchen Bedingungen erscheint die eine, wann die andere Strategie sinnvoll und wirksam?

10:00 Begrüßung / Einleitung
Dr. Stacie CC Graham, Katharina Koch, Anne Kohl (Kuratorinnen)

10:30 Race, Precarity And Artistic Labour In Berlin
Dr. Onur Suzan Nobrega (Medien- und Kulturwissenschaftlerin)

Dr. Onur Suzan Nobrega analysiert die Art und Weise wie künstlerische Arbeit rassifiziert und prekarisiert wird. Sie untersucht die Arbeits- und Lebensbedingungen türkisch-deutscher KünstlerInnen im Zuge des Institutionalisierungsprozesses des postmigrantischen Theaters sowie die Umsetzung von kulturpolitischen Massnahmen in Bezug auf kulturelle Vielfalt in den Künsten innerhalb Berlins Kulturlandschaft.

12:15 Being is one thing… – Protest und Widerstand
Sandrine Micossé-Aikins (Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin, Aktivistin)

Der Vortrag verhandelt das Verhältnis von Protest, Widerstand und Aneignung von politischen Diskursen in Kunst und Kultur.Vor allem durch Rassismus, Sexismus, Gendernormativität etc. marginalisierte Künstler_innen sehen sich beständig mit der Herausforderung konfrontiert, widerstänige und ermächtigende Inhalte kommunizieren zu können, ohne deshalb weitere Sanktionen des kulturellen Mainstreams zu erfahren, und damit samt ihrer Arbeit unsichtbar zu werden. Welche Strategien des nachhaltigen, solidarischen, dekolonialen und kapitalismuskritischen künstlerischen Schaffens sind innerhalb eines Kunstbetriebs vertretbar, der einer kapitalistischen Verwertungslogik folgt und sowohl über Geld, als auch Einstellungspraxen ohnehin persistierende soziale Ausschlüsse perpetuiert? Wo verlaufen die Grenzen zwischen künstlerischer Arbeit und Aktivismus und an welcher Stelle ist aktivistische künstlerische Arbeit sinnvoll? Diese und andere Fragen möchten der Vortrag und die anschließende Diskussion mit dem Publikum erörtern.

14:40 Film / Diskussion: Die Umzüge (07 min., D 2013)
Karina Griffith (Künstlerin)

The film is a non-verbal exploration of the filmmaker’s reaction to witnessing blackfacing in Germany: one of confusion, fear, anger and compassion.
http://www.karinagriffith.com/#die-umzuge-crude-processions

15:15 Performanz analysieren im karibischen Raum
Dr. Dr. Daniele Daude (Theater- und Musikwissenschaftlerin, Violinistin, Aktivistin)

In einem Kontext, in dem Bildungsprogramme und kulturelle Institutionen als Bestandteile einer umfassenden jahrhundertelangen Assimilationspolitik fundieren, lässt sich die Kunstproduktion im karibischen Raum ohne Rücksicht auf die allgegenwärtigen Machtkämpfe nicht erfassen. Anhand Inszenierungen und Aufführungen, welche im karibischen Raum entstanden, wird ein Einblick in die Problematik der Bedeutungserzeugung im analytischen Verfahren gewährt.

17:00 Podiumsdiskussion: Wann Protest, wann Widerstand?
mit Dr. Dr. Daniele Daude, Sandrine Micossé-Aikins, Dr. Onur Suzan Nobrega

Moderatorin: Rena Onat (Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Gender Studies)

27.09.2015 // 13:00-19:30
Die Illusion der Post-Gender und Post-Racial Gesellschaft

Ist es möglich nur noch über Dynamiken, Prozesse und Strukturen zu sprechen, ohne auf die spezifischen Parameter der einzelnen Identifikationsmerkmale einzugehen? Mit dem Fokus auf Intersektionalität soll das Ineinanderwirken dieser Strukturen befragt werden. Dabei stehen u.a. Berliner Kunsträume, insbesondere so genannte off spaces, die sich häufig als aktivistisch verstehen, sowie deren Strukturen und Repräsentationspraktiken zur Diskussion.

13:00 Begrüßung und Zusammenfassung des 1. Tages

13:15 Weiße Räume öffnen?!
Von Repräsentationskritik zu Selbstrepräsentation – Möglichkeiten und Grenzen. Praxiserfahrungen einer Kuratorin of Color
Iris Rajanayagam (Kuratorin, Wissenschaftlerin)

Bei meinem Vortrag wird es im Groben darum gehen welche Möglichkeiten aber auch Grenzen es gibt vor allem als Frau* of Color weiße (feministische) Räume zu öffnen und in wie weit in diesen Räumen überhaupt Dekolonisierungprozesse für Schwarze Frauen* und Frauen* of Color überhaupt stattfinden können. Dies ist vor allem im künstlerischen und kuratorischen Bereich schwierig, da hier das Problem der Repräsentation sowie in der Darstellung von Kunst und visueller Kultur, die Reproduktion von Rassismen und andere mit Rassismus verschränkten Diskriminierungsformen auftreten können. Stichpunkte wären hier u.a. Exotismus aber auch paternalistische Ansätze/Haltungen. Es geht um, wie immer bei der postkolonialen Theorie, um die Fragen Wer spricht für wen wie und in welchen Kontext? Wie werden Themen gesetzt und wer entscheidet das? Wer wird gehört und wer setzt die Rahmenbedingungen? Welche Zielgruppen, sollen wie angesprochen werden und aus welcher Position und Motivation?

15:00 I am a white academic feminist artist. I’ve got no reason to cry
Julia Lemmle (Coach, Performerin, Aktivistin)

So lautete 2007 meine erste weißseinskritische Selbstpositionierung on stage. Die mir heute naiv und ungeschliffen vorkommt – peinlich, wie gut man von außen meinen eigenen weißen Reflexionsprozess beobachten kann. Gleichzeitig wünsche ich mir mehr von dieser blankziehenden Ehrlichkeit – in all den kompliziert formulierten Diskussionsbeiträgen weißer Kulturschaffender, die letztlich der Abwehr des Themas Rassismus dienen. Selbst Rassismus unbewusst und gewollt zu (re)produzieren, ist eine Erkenntnis die das weiße Selbstbild zutiefst erschüttert. Doch es braucht diese Erschütterung um wirklich etwas zu verändern. Im Selbst, im Handeln, in der Interaktion in den beruflichen und politischen Feldern. Mich interessiert: Wie können weiße Menschen sich so mit ihren Privilegien auseinandersetzen, dass sie in der Lage sind, wirkliche Verbündete zu werden?

16:30 Film / Diskussion: PAST PRESENT TENSE
(32 min., D 2014-15, dt. mit engl. UT)
Christa Joo Hyun D’Angelo (Künstlerin)

The video essay examines the idea of German nationality and it’s racial borders within German society.
www.christajdangelo.com

Publikumsdiskussion (engl.)

18:00 Abschlussdiskussion
mit Melody LaVerne Bettencourt, Christa D‘Angelo, Dr. Dr. Daniele Daude, Karina Griffith, Julia Lemmle, Sandrine Micossé-Aikins, Dr. Onur Suzan Nobrega, Iris Rajanayagam, Shadi. (dt./engl.)

Moderatorinnen: Kuratorinnenteam (Dr. Stacie CC Graham, Anne Kohl, Katharina Koch)

Das Symposium findet statt im Rahmen der Reihe “Prekäre Kunst: Protest & Widerstand”.

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